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THEMENDOSSIER

Feuerwehrschutzkleidung

Schutz und Tragekomfort

Zu den Aufgaben von Feuerwehrleuten gehört nicht nur das Löschen von Bränden. „Je nach Struktur werden die Feuerwehren heute in 60 bis 80 Prozent aller Fälle zu technischen Hilfsleistungen wie Bergen von Fahrzeugen, bei Wasser- und Sturmschäden und nicht zu Bränden gerufen“, sagt Jochen Thorns, Kommandant bei der Feuerwehr Filderstadt und Chefredakteur des Fachblattes BRANDSchutz. Meldet sich der Piepser, springen die Einsatzkräfte in ihre Schutzkleidung. Erst vor Ort sehen sie, was zu tun ist. Wenigstens ein Teil von ihnen muss für den Extremfall Brand ausgerüstet sein.

Für technische Hilfsleistungen müssen Feuerwehrleute lediglich Bekleidung der Schutzstufe 1 tragen. Sie ist flammenhemmend ausgerüstet und relativ leicht. Für Atemschutzgeräteträger, die zur Brandbekämpfung in den Innenangriff gehen, ist kompakte Schutzbekleidung mit Schutzlevel 2 nötig. Sie wirkt nicht nur flammenhemmend, sondern verfügt auch über eine Thermoisolierung, die gegen Hitze schützt. „Bei uns in Filderstadt sind alle Feuerwehrleute mit Bekleidung der Schutzstufe 2 bekleidet. Wir halten das aufgrund des Risikopotentials für sinnvoll und außerdem hat es auch logistische Gründe“, so Thorns.

Feuerwehrbekleidung muss der DIN EN 469 Schutzkleidung für Feuerwehr oder je nach Bundesland der HuPF (Herstellungs- und Prüfungsbeschreibung für universelle Feuerwehrschutzbekleidung) genügen. In der DIN EN 469 sind Sicherheitsvorschriften formuliert, in der HuPf sind es Produktvorschriften. In beiden sind Mindestanforderungen formuliert, die von moderner Einsatzkleidung meist weit überboten werden.

Die größte Herausforderung bei der Konzeption von Feuerwehrschutzbekleidung mit Level 2 ist der Brandschutz auf der einen Seite, die Atmungsaktivität und der Tragekomfort bei extremer Hitze, aber auch bei leichteren Tätigkeiten auf der anderen Seite. In Amerika sterben die Hälfte der Feuerwehrleute nicht durch Feuer, Wärme, Wasserdampf oder Wasser von außen, sondern aufgrund von Überhitzung des Körpers von innen: Verhindert die Kleidung das Verdunsten des Schweißes, steigt die Körpertemperatur bis zum Kreislaufkollaps, der zum Tode führen kann. Wie beim Durchdringen von Feuchtigkeit von außen, kann die Schweiß-Durchdringung der Isolation ebenfalls zu Verbrühungen führen. Damit die Bekleidung genau so funktioniert, wird in der Regel eine Membran eingesetzt, die beides leistet. Sie wird zwischen die Lagen der Bekleidung eingearbeitet.

Um vor Feuer zu schützen, muss die Bekleidung einen flammfesten Oberstoff haben. Er muss reiß- und abriebfest sowie antistatisch ausgerüstet sein. Um der Wärmestrahlung des Feuers und plötzlich auftretenden Rauchgasdurchzündungen standzuhalten, muss Feuerwehrbekleidung außerdem über ausreichend Thermoisolation verfügen.

Wichtig ist auch die Verarbeitung der Bekleidung. Experten wissen: Eine wasserdichte Membran nützt nichts, wenn die Nähte nicht auch wasserdicht sind. Taschenbeutel müssen Abflussöffnungen haben, damit sich das Wasser nicht staut. Der Reißverschluss muss innen hinterlegt sein, vorne eine doppelte Patte haben, damit Wasser nicht eindringen kann.

Weitere Anforderungen an die Bekleidung sind neben einem akzeptablen Gewicht ergonomische Schnitte, die freie Bewegung und Handlung zulassen. Die Hosen müssen an den Knien gut gepolstert sein, etwa mit ergonomisch vorgeformten Kniepads. Die Ärmel mit den Bündchen müssen so geschnitten sein, dass sie bei Arbeiten über Kopf nicht herunterrutschen. Dafür sorgen Quetschfalten in den Achselhöhlen. Die Bündchen müssen eng anliegen, Taschen müssen sinnvoll angeordnet und funktional sein.

Schlaufen im Rückenbereich oder auf der Brust dienen dazu, Feuerwehrleute aus Notsituationen herauszuziehen oder zur Selbstrettung. Texport beispielsweise hat Jacken in unterschiedlichen Ausführungen im Sortiment. Zum einen gibt es den verdeckten Taillenbergegurt mit Karabiner, zum anderen den verdeckten Gurttunnel auf Brusthöhe, in den eine Rettungsschlaufe eingezogen werden kann. Der Austritt des Gurtes oder der Schlaufen ist mit Patten verdeckt. Bei der Firma S-GARD heißt das Modell mit eingebautem Kanalsystem für Rettungsschlaufen „Swissguard“, weil es in der Schweiz Jacken mit Rettungsgurten unter anderem für die Höhenrettung ein Muss sind.

Um starkem Schwitzen, Konzentrationsproblemen, Herzrasen oder gar Kreislaufversagen entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Lion Apparel in Köln kühlende Hosenträger auf den Markt gebracht. Die Hosenträger werden aktiviert, indem sie einige Sekunden in Wasser gehalten werden. Es wird über ein Vlies aufgenommen und dann über 24 Stunden abgegeben. Die Verdunstungskälte soll den Körper kühlen.

Neue Technik- und Styling-Trends können sich Besucher der A+A 2011 auch bei der Modenschau in Halle 5 sowie der neuen Sonderschau „Wearable Technologies“ in Halle 10 anschauen. Hier zeigt die Navispace AG, wie künftig Schutzbekleidung und Technik miteinander verschmelzen werden - etwa durch Kleidung mit integrierten Sensoren zur Überwachung wichtiger Vitalparameter, mit integrierten Leuchtmitteln zur besseren Sichtbarkeit oder integrierte Kommunikationssysteme.
Quelle: Messe Düsseldorf/ak

Nebenjob Lebensretter:
Die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren gewährleistet einen flächendeckenden Brandschutz. Mehr dazu in der Titelgeschichte der DGUV Arbeit & Gesundheit Ausgabe 7/8.

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